Einfach so

Friday, January 13, 2006

Essay #2

Mauss, Van Gennep
Diskutiere die wichtigsten Aussagen der Werke „Die Gabe“ von Marcel Mauss und „Rites de Passage“ von Arnold Van Gennep. Wie sind die beiden Autoren im Kontinuum ausgehend vom Durkheim’schen Werk bis zum Strukturalismus einzuordnen?

Arnold van Gennep, geboren am 23. April 1873 in Ludwigsburg, Deutschland, als Sohn eines Dänen und einer Französin, der nahezu sein ganzes Leben in Frankreich verbrachte, wo er auch studierte. Er war ein Zeitgenosse von Emile Durkheims Neffe, Marcel Mauss, auf den ich später noch zu sprechen komme.
Von 1912-1915 lehrte Van Gennep Ethnographie an der Universität Neuchâtel in der Schweiz. Am Anfang seines ethnographischen Weges befasste er sich vor allem mit Kulturen die außerhalb Europas zu finden waren. Aus dieser Zeit entstanden Arbeiten wie: ‚Tabou et totemisme à Madagascar’ 1904; ‚Mythes et legendes d’Australie’ 1906; ‚Les rites de passage’ 1909 und ‚Les semi-savants’ 1911.
Zeit seines Lebens war er ein Außenseiter der Wissenschaft, weil er sich durch nonkonformistische Theorien von der allgemeinen Meinung seiner Zeit abgrenzte. Vor allem von Emile Durkheim und seiner Schule wurden seine Erkenntnisse nicht anerkannt, da er in seinen Werken oft starke Kritik gegenüber Durkheims Theorien übte. Alleine die Tatsache, dass Van Gennep sich nicht der Armchair Anthropology hingab, indem er viele Sprachen und Dialekte erlernte, grenzte ihn von seinen Kollegen ab.
1924 schreib er noch ‚Manuel d’ethnographie francais eontemporain’.
1975 verstarb Arnold van Gennep in Bourg-la-Reine.

Sein wohl signifikantestes Werk ist ‚Les rites de passage’, in welchem er sich mit Veränderungsphasen im Leben und dazugehörigen unterstützenden Ritualen beschäftigte. Wie zum Beispiel Erwachsenwerden, Altern, Geburt oder Tod. Genau diesen Schwerpunkt legt er bei diversen Völkern, die alle diese Übergangsphasen mit Ritualen begleiten um Sicherheit zu vermitteln. Er bezeichnet sie als Übergangsriten und teilt sie in drei Phasen ein:
1. Ausgliederung aus dem Alltag, den alten Zustand verlassen
2. Kernphase des Rituals, Zeitlose Phase
3. Wiedereingliederung in den neuen Alltag

Van Gennep legte ein besonders großes Augenmerk auf die Zweite Phase, der Höhepunkt des Rituals, in dem oftmals eine verkehrte Welt entstehen kann. Dahinter steht immer eine Doppeldeutigkeit, entweder können Verhältnisse dadurch stabilisiert werden, indem man sich Luft machen oder sich austoben kann um die Veränderung im neuen Alltag zu akzeptieren und zu verinnerlichen, oder es gibt die Möglichkeit die Verhältnisse zu hinterfragen und zu zweifeln.

Van Gennep projiziert dieses Dreiphasenmodel auf jedes Rituale, egal in welcher Kultur und unter welchen Umständen es stattfindet.
Auch in Österreich und ganz Europa sind solchen Rituale, wenn auch minimiert, zu finden. Nehmen wir zu Beispiel das Altern. Mit dem jährlichen Geburtstag, dem Anbrechen dieses Tages, verlässt man sein vorhergehendes Lebensjahr(erste Phase). Meist wird dieses Verlassen mit einem Ritual, nämlich dem Feiern mit Freunden und dem Erhalten von Geschenken, begangen, sodass man nicht daran denken muss, dass man älter wird(zweite Phase). Am nächsten Tag gleitet man automatisch und ohne Schwierigkeiten in den neuen Alltag(dritte Phase).
Es ist mir durchaus bewusst, dass dieses Beispiel sehr banal zu sein scheint, aber ich denke, dass man auch hier von einem Übergangsritus sprechen kann.

Zuletzt ist noch Victor Turner zu erwähnen, der viel zur Bekanntheit Van Gennep’s Werk beitrug, indem er seine gedanklichen Ansätze fortsetzte.

Nun zu Marcel Mauss.
Er wurde am 10. Mai 1872 in Épinal geboren, als Sohn eines jüdischen Textilhändlers. Sein Onkel war der Soziologe Emile Durkheim, der ihn schon früh unterstützte und förderte. Mauss studierte auch bei seinem Onkel an der Université de Bordeaux die Fächer Philosophie, Psychologie, Jura und Soziologie.
1892 setzte er seine Studien in Paris an der ‚Sorbonne’ und an der ‚École pratique des Hautes Etudes’ fort.
Stark vom Sozialismus geprägt und politisch aktive, brachte er gemeinsam mit Durkheim die Zeitschrift ‚L’Année sociologique’ im Jahr 1901 heraus
1925 gründete Mauss gemeinsam mit Paul Rivet und Lucien Lévy-Bruhl das ‚Institute d’Ethnographie’.
1950 starb Marcel Mauss als einer der letzten Armchair Anthropologists.

Neben unzähligen Essais schrieb er sein ‚Essais sur le don’ 1925, sein wohl bekanntestes Werk. In diesem Essay griff er zwei wichtige Feldforschungen auf, andhand welcher er das Phänomen des Gebens und Nehmens untersuchte und analysierte. Zum einen Franz Boas ‚Social Organization of the Kawkiutl’, der Potlach bei den Indianern des Nordwestlichen Amerikas und Bronislaw Malinowskis ‚Argonauts of the Western Pacific’, der Kula auf den Trobrianden Inseln in Melanesien.
Anhand dieser ethnographischen Exempel untersuchte er das System der Gabe wie zum Beispiel der ‚Kula’.
Beim Kula wird der Austausch zweier wertvoller Dinge betrieben zwischen einer Vielzahl an Stämmen die dadurch eine Verbindung zueinander aufbauen. Dies dient dazu die sozialen Beziehungen einer umfassenden Gemeinschaft aufrecht zu erhalten. Mauss nennt das ein System der totalen Leistungen, weil die Ganzheit einer Gesellschaft daran teilnimmt.
Diese bringt jedoch drei Grundregeln mit sich:
- Gabe
- Annahme (Ablehnung gibt es nicht, da man sonst die Freundschaft und Gemeinschaft abschlagen würde)
- Gegengabe (wobei dies niemals sofort passiert, sondern auch Monate dauern kann; Erwidern der Gabe durch Gegengabe, dies wird als Reziprozität bezeichnet)

Wichtig zu erwähnen ist, dass es keinen festgelegten Standard der Gabe und Gegengabe gibt.
Die Transaktionen erzeugen eine soziale und geistige Bindung.
Mauss war sehr beeindruckt von diese Solidarität und Großzügigkeit und legte der zeitgenössischen Gesellschaft in seinem Werk nahe es den anderen Völkern gleich zu tun um so möglicherweise ( wenn auch realistisch gesehen sehr utopisch) einen globalen Frieden zu schaffen.



Van Gennep, der immer als wissenschaftlicher Außenseiter galt, lässt sich nicht klar einordnen. Trotzdem findet man in seinem Vorgehensweise sowohl funktionalistische, auf Grund seines Augenmerks auf die soziale Funktion der Riten, als auch strukturalistische Aspekte, wegen des erstellten Dreiphasenmodels.

Marcel Mauss als unmittelbarer Nachfolger und Schüler Durkheims, baute sozusagen das Grundgerüst des von Lévi-Strauss geprägten Srukturalismus.

© Johanna Fuchshuber


Quellen:
- Barth, Frederic; Gingrich, Andre; Parkin, Robert; Silverman, Sydel:
One Discipline, Four Ways: British, German, French, and American Anthropology. The Halle Lectures. Chicago: University of Chicago Press. 2005.
-
www.wikipedia.org
- Schomburg-Scherff, Frankfurt a.M. 1986

Thursday, November 24, 2005

Evolutionismus1.Von welchen Prämissen geht der Evolutionismus aus und wie können die Grundannahmen und Forschungsergebnisse des Evolutionismus in der heutigen Sozial- und Kulturanthropologie integriert und bewertet werden? Diskutiere die theoretische Basis dieser anthropologischen Strömung im Zusammenhang mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen bzw. mit politischen und wirtschaftlichen Kategorien der Gegenwart




Anfangen möchte ich mit einer klaren Definition des Wortes Evolution: vom lat. Evolvere àentwickeln, kontinuierlicher Entwicklungsprozess, meist von Niederem zu Höherem (Gegenbegriff: Revolution)Die Evolution findet jedoch nicht nur in der Kultur- und Sozialanthropologie ihren Platz, sondern auch in vielen anderen Wissenschaften wie zum Beispielt: Biologie, Philosophie und Theologie. In jeder dieser genannten Wissenschaften umschreibt die Evolution eigentlich immer wieder dieselbe Grundstruktur, jedoch die detaillierte Auslegung ist von Fach zu Fach verschieden.Evolution im Sinne der Kultur- und Sozialanthropologie bedeutet, dass jede Kultur zu verschiedenen Stufen zugeordnet werden kann. Man muss sich das wie ein Stufenmodell vorstellen. Auf der obersten Stufe, also an der Spitze steht eine einzige Kultur, meist die der Anthropologen selbst.Welche dann auch als mehr oder weniger globaler Messwert gilt. Alle erforschten Kulturen werden analysiert und je nach Komplexität oder Primitivität in diesem Modell eingestuft.Dabei wird auch auf die Ähnlichkeit zwischen der erforschten Kultur und jener die an der Spitze steht, wert gelegt. Je ähnlicher, desto besser sei sie entwickelt.
Die wichtigsten Anthropologen inklusive ihrer Eckdaten und Werke sind natürlich auch hier notwendigerweise aufzulisten.

Johann Bachofen (1825-1887)

John Ferguson McLennan (1827-1881) „Primitive Marriage“

Edward Burnett Tylor (1832-1917) “Primitive Culture”

James Frazor (1854-1941) “The Golden Bough”

Lewis Henry Morgan (1818-1881) “Ancient Society”

Auf Letzteren möchte ich nun ein bisschen näher eingehen.
Morgan war US Amerikaner und wurde als Gründervater des Evolutionismus angesehen. Er entwickelte die Theorie eines drei Stufen Modells, das jede Gesellschaft durchleben müsse:

WILDHEIT -> BARBAREI -> ZIVILISATION

Wilde: grundlegende Ernährungsmethoden durch Jagen und Sammeln
Barbarei: Nomadentum und Landwirtschaft
Zivilisation: Bildung einer Staatsgesellschaft, zeichnet sich außerdem durch Entwicklung der Schrift aus, damit einher geht die Geschichtsschreibung, somit können Vergangenheit und Zukunft in Verbindung gebracht werden und die Schlüsse die sich daraus ergeben, ermöglichen eine weitere GesellschaftsentwicklungAußerdem vertrat Morgan die Theorie, dass zu Beginn der Menschheitsentwicklung, alle Völker matriachal lebten und das Patriachat einherging mit Erreichen der Zivilisation.Damals konnte es sich jedoch nur die Upper Class leisten zu studieren. Die Kultur- und Sozialanthropologie hatte keine Legitimation als Wissenschaft und wurde deswegen lange Zeit nicht anerkannt.Auch das Konzept der Anthropologen war damals noch nicht gereift, es gab zwar auf Grund der Kolonialisierung ein globales Interesse an fremden Kulturen, welches der Wissenschaft viele neue Perspektiven darlegte, jedoch verließ man sich auf die Reiseberichte von Missionaren, die oft nicht der Wahrheit entsprachen, und betrieb keine aktive Feldforschung sondern die so genannte „Armchair“ Anthropologie, da Wissenschafter ausschließlich die Reiseberichte Anderer analysierten, ohne selbst jemals dort gewesen zu sein.Die Phase des Evolutionismus war jedoch für die Kultur- und Sozialanthropologie nicht unerheblich, denn diese Anthropologen dokumentierten erstmals die Unterschiedlichkeit der Kulturen.Weiters prägten sie die Terminologie mit Ausdrücken wie, Exogamie, Animismus, Totemismus, etc.Um nur einen von Vielen zu nennen; Tylor entwickelte das Konzept des „Survivals“, welches versucht kulturelle Überbleibsel aus früherer Tradition zu begründen.Trotz der vielen wichtigen Einflüsse, welche die evolutionistisch gesinnten Anthropologen mit sich brachten, gilt es Kritik an deren Theorien zu üben, da es heutzutage undenkbar wäre ein Volk beziehungsweise eine Kultur an die Spitze und als Richtlinie für alle Kulturen vorzustellen.Denn sonst könnten wir doch von einem einzigen „Herrenvolk“ sprechen und das weckt in mir die Assoziation mit den Nationalsozialisten Deutschlands im zweiten Weltkrieg, die auch von einem „Herrenvolk“ sprachen. Das ist wiederum nicht unbedingt eine Assoziation mit der die Kultur- und Sozialanthropologie in Verbindung gebrach werden sollte.Hinzukommt, dass diese Theorie zu einer simplen und stumpfen Denkweise verleitet, da es so viele verschiedene Kulturen gibt, die wir möglicherweise gar nicht verstehen können, da sie von ganz anderen Grundsätzen ausgehen, als wir es tun. Gerade in einer Wissenschaft wie der Kultur- und Sozialanthropologie ist es mehr als wichtig bei diversen Forschungen und Ergründungen anderer Völker ganz und gar auf jegliche Art von Wertung zu verzichten. Meiner Meinung nach, eines der wichtigsten Prinzipien in der heutigen Wissenschaft.Warum kann dennoch die Evolutionstheorie weiterhin in einem Fach wie Biologie so unumstritten wie möglich bestehen?Um diese Frage zu klären, benötige ich zuerst eine klare Definition des Begriffes Evolution im Zusammenhang mit der Biologie, der Abstammungslehre: -> Darwin, 19.Jahrhundert.Die Wissenschaft von der Herkunft der vielfältigen Lebensformen( zum Beispiel: der Mensch) aus Frühformen der geschichtlichen Entwicklung. Nach heutigen Vorstellungen entstand das Leben durch stufenweise chemische Synthesen aus einfachen Molekülen: bei Erreichung hoher chemischer Komplikationen begann der Lebensprozess anzulaufen (Urzeugung) und ist seither nicht wieder abgerissen. Im Laufe der Evolution , deren geschichtliche Wege der Paläontologie (Versteinerungskunde) teilweise belegt, erfolgte eine schrittweise Vervielfältigung der Lebenstypen mit kompliziertem Bauplan und eine fortschreitende Verbesserung der Anpassung.Was ich damit sagen möchte ist, dass, wie schon aus der Definition hervorgeht, sich die Biologie nicht alleine mit dem Entstehungs- und Abstammungsprocedere beschäftigt und sich daher auch von der Theorie entfernt und sich durch Beweise einer Tatsache nähert. Natürlich auch ein wichtiger Aspekt ist, dass in der Biologie jegliches Werten vermieden wird, beziehungsweise gar nicht möglich ist, da wir es nicht mit einem Messwert zu tun haben, sondern eben genau mit jenem Prozess der eine Entwicklung beschreibt und erklärt, sei es die der Menschen oder der Tiere.Deswegen darf die Lehre der Evolution, auch heute noch, von manchen Seiten betrachtet, ein positives Ansehen genießen.


Ressourcen:->KNAURS Lexikon
->Harenberg Komaktlexikon
->Konrad Liessmann & Gerhard Zenaty – Vom Denken
->André Gingrich – One discipline, four ways

©Johanna Fuchshuber

Monday, November 07, 2005

einfach nur mal so

himmel hilf!.....
das war ja jetzt doch mehr als kompliziert....nicht nur für mich ;)